Gegenüberstellung. Cecilia und Ich.

Sie setzte sich neben mich, auf eine alte, weiße Parkbank, die schon schwarze Flecken hatte. Vor uns Big Ben und hinter uns die Waterloo Bridge … was den Lieblingsort anging, konnte ich eine Gemeinsamkeit immerhin schon aufzählen. Vom Aussehen ganz zu schweigen … immerhin war Cecilia meine erste richtige Hauptfigur.

Na gut, das stimmt nicht ganz. Aber sagen wir mal, die erste wirklich reelle.

»Hey«, begrüßte ich sie, und meine Protagonistin mit den langen, braunen Haaren grinste mich frech an. Das Grinsen hatte sie nicht von mir. Und die Haare auch nicht. So lang waren meine nie gewesen. Außerdem waren ihre von Natur aus so braun. Und meine waren um einiges dicker.

»Grüß dich … Saphira.«

Ich schnaubte lächelnd.

»Du sprichst den Namen aus wie eine Krankheit.«

»Naja, er ist so ungewohnt.«

Ich lächle versonnen und gucke in den Himmel.

»Aber er passt auch ziemlich gut«, fügte sie hinzu, »zu deinem neuen Ich.«

»Danke!«

Mich machte dieses Kompliment wirklich froh. Es war schön zu hören.

Cecilia begann plötzlich zu glucksen.

»Wenn man bedenkt dass du dich früher wohl eher nach dem Diamanten benannt hättest …«

»Stimmt gar nicht.«

»Nein. Gar nicht. Eher Platin?«

»Ach, so ein Unsinn! Hör auf zu spinnen.«

»Ich spinne überhaupt nicht. Aber gib zu, du warst früher schon sehr von dir überzeugt.«

»Das bin ich auch jetzt noch. Und daran ist nichts falsch.«

Im Grunde wollte ich was ganz Anderes sagen. Aber mir von meiner eigenen Erfindung sagen zu lassen ich wäre eingebildet …

»Warst du auch! Du warst arrogant!«

»Pff. Und du? Kindisch und zickig!«

Ihre Augen weiteten sich. Und verengten sich schlagartig zu Schlitzen. Sie stand auf.

»Und wenn, dann nur weil du mich dazu gemacht hast!«

»Genauso völliger Blödsinn, als ich dich erschaffen habe, hatte ich gesunden, erwachsenen Menschenverstand vorgesehen. Dann kamst du daher und hast mir mit deinen pubertären Trotzreaktionen einen Strich durch die Rechnung gemacht!«

»Na klar, weil du auch nur aus gesundem, erwachsenen Menschenverstand bestehst! Ruf dir deinen ganzen blöden Reaktionen mit Mathias mal in den Kopf, dann weißt du genau was ich meine.«

»Das ist etwas völlig Anderes! Da stand ich unter Hormon-Einfluss! Ich glaube, du spinnst wohl, mir das vor zu werfen! Was war denn das bitte damals mit Ben, in dem Londoner Café?«

»Willst du mich jetzt anbitchen oder was?«

Cecilia schnippte mit den Fingern.

Jetzt stand ich auf.

»Komm mir hier jetzt bloß nicht mit dem Bitch-Move, klar? Ich hab das schon gemacht, da war an dich noch gar nicht gedacht.“

Ich schnippte dreimal und „pff“-te.

»Dann komm du mir nicht ständig mit meiner Nicht-Existenz! Es ist überhaupt sehr fragwürdig, dass du mit dir selbst streitest!«

»Tse! Dieses Argument benutzt du immer nur, wenn es dir gerade passt. Wenn irgendwer Anderes einfach so behaupten würde, du hättest kein Eigenleben würdest du ihn doch sofort flachlegen.«

»Wie bitte?!?!???«

Ich fasste mir ans Hirn.

»Ach verdammt, ich meinte … ich meinte nicht … ich wollte so etwas wie umhauen sagen.«

»Mhm … is klar.«

Wir sahen uns an, abschätzig und mit kalten Mienen … bis sich eine von uns nicht mehr halten konnte und wir beide los prusteten, bald von Lachen wieder auf der Bank saßen und uns gegenseitig fest hielten. Ihr Lachen war so schön im Gegensatz zu meines und jedes Mal wenn ich ihr in die Augen sah wurde mir so warm ums Herz. Irgendwann kicherten wir nur noch gelegentlich und ich hielt sie in meinen Armen bis der Himmel sich langsam rosa-orange färbte. Meine Lieblings-Farbkombi.

»Ich weiß«, flüsterte Cecilia und griff hinauf zum Himmel. Ich verschränkte meine Finger in den ihren.

»Und du sehnst dich nach jemandem, bei dem du endlich mal schwach sein darfst. Deswegen der Name.«

Ich legte meine Wange auf ihrem Scheitel ab und lächelte sanft.

»Nicht nur. Aber es ist ein Teil davon.«

Ich spürte, dass sie ebenfalls grinste.

»Wir sind uns ähnlich.«

»Aber nicht wirklich viel.«

»Naja so jemanden wie dich … gibt es auch kein zweites Mal.«

Ich musste wieder leicht lachen.

»Das hast du jetzt schön gesagt«, gab ich zu und blickte liebevoll auf sie hinunter. Ich konnte Ben kommen sehen, die Hände lässig in die Hosentaschen gesteckt.

»Ich bin froh, euch zu haben. Dich zu haben.«

Cecilia lächelte.

2 Antworten auf “Gegenüberstellung. Cecilia und Ich.”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s