Hommage an die Menschlichkeit

Was ist ‚Menschlichkeit‘? Was bedeutet dieses Wort?

Seit einiger Zeit könnte man denken, Menschlichkeit wäre mit Grausamkeit, Fanatismus, Gewaltbereitschaft und -verherrlichung, Egoismus und Intoleranz gleichzusetzen, wann immer man die Nachrichten einschaltet. Man hört Berichte über Amokläufe, Terrorismus und Rechtsradikale, flüchtende Menschen, Krieg, Gewalt, Zerstörung, Anschläge und Frauen, die die Treppe runtergeschubst werden.

Im Buddhismus heißt es, dass alle Menschen verbunden sind. Dass sie alle unsere Brüder und Schwestern sind, egal wie weit entfernt, unsichtbar oder andersartig sie sein mögen. Wenn wir uns das ganz kurz vorstellen, dann bedeutet das, dass die Menschen in den Towern des World Trade Centers unsere Brüder und Schwestern waren. Dann waren es die Menschen, die die Flugzeuge in die Türme gefolgen haben auch. Wenn das stimmt, dann sind wir nicht nur mit den Opfern aller furchtbaren Taten verbunden, sondern auch mit den Tätern. Alle gehören sie zu unserer Familie, alle zusammen. Für manch einen mag diese Wahrheit schrecklich klingen, manche verleugnen sie. Doch für mich hatte sie etwas befreiendes, denn diese Erkenntnis gibt uns die Möglichkeit, nicht mit Verachtung und Unverständnis auf diese Ereignisse zu blicken, sondern mit Achtsamkeit – vielleicht sogar mit Mitgefühl.

Mitgefühl ist die Emotion, die uns leiden lässt, wenn wir Andere leiden sehen. Doch Mitleid ist nur die eine Seite der Medaille. Mitgefühl bemächtigt uns genauso zu großer Freude, wenn es jemand Anderem gut geht. Wir nennen es Nächstenliebe. Oder zur Fähigkeit, auf andere Lebewesen zu achten, bevor wir einen eigenen, vielleicht egoistischen Schritt gehen. Wir nennen es Rücksicht. Und zur Fähigkeit, eigene Fehler zu bedauern. Wir nennen es Reue.

Jeder Mensch ist mit der Fähigkeit zum Mitgefühl geboren. Auch die Täter. Und ab und zu hört man auch von anderen Sachen auf der Welt, wenn man die Nachrichten einschaltet – von den Menschen, die 9/11 alles liegen und stehen ließen um die Opfer aus den Trümmern auszugraben. Von unseren Nachbarn, die bewaffnet mit Gummistiefeln und Schaufeln auf der Matte standen, als das Hochwasser tausende Keller und ganze Häuser Unterwasser setzte. Von Menschen, die mit weißen Kitteln durch ein riesiges Haus rennen und sich um dein Kind … oder deine Eltern kümmern. Von einer Mutter, die in ein brennendes Haus rennt – um ein völlig fremdes Kind zu retten. Jedes Mal, wenn sich irgendwo eine Katastrophe ereignet – ob vom Menschen gemacht oder nicht – stehen andere Menschen in einer mächtigen Überzahl da, um zu helfen. Wir stehen für einander ein, rücken zusammen und stehen es gemeinsam durch. Auch wenn es manchen so vorkommen mag – in Wirklichkeit sind wir nie alleine, weil wir alle verbunden sind. Durch das Mitgefühl. Und das Mitgefühl kann so mächtig sein, dass Menschen sich in einer ausweglosen Situation zusammenrotten, um das dritte Flugzeug, das ins Pentagon fliegen sollte, vorab zu Boden zu bringen – auch wenn es sie selber umbringt.

Menschen, die auf Straßen gehen um an Gedenkfeiern völlig fremder couragierter Personen teilzunehmen, weil das Mitgefühl sie dazu antreibt. Menschen, die sich für Ärzte ohne Grenzen in zerstörte, verarmte Länder begeben um anderen, völlig unbekannten Menschen zu helfen, anstatt daheim teure Privatpraxen zu betreiben. Menschen, die mit ihren Geschichten, Filmen und Büchern, Licht und Freude in die Welt bringen.

Das ist es, woran wir glauben müssen. Ich sehe oft auf die Welt und was ich sehe macht mich traurig. Ich weine.

Doch Traurigkeit ist ein Gefühl, dass uns zur Nächstenliebe und zur Rücksicht antreibt. Dass uns dabei hilft, die Liebe nur noch tiefer zu lieben.

Jeder Mensch ist im Grunde seines Herzens gut. Und wenn wir alle miteinander verbunden sind, tragen wir in uns auch die Verantwortung für alle anderen. Die Verantwortung, keinem Wesen mit Wut, Intoleranz und Verachtung zu begegnen, die Verantwortung, niemandem Schaden zuzufügen. Und je mehr Menschen sich dessen bewusst werden, desto näher kommen wir alle unserem Ziel, das wir uns in den tiefsten Gründen unseres Herzens doch eigentlich alle wünschen – Weltfrieden.

Das. Ist Menschlichkeit.

2 Antworten auf “Hommage an die Menschlichkeit”

  1. Liebe Saphira, vielen Dank dafür, dass Du diese Gedanken mit uns teilst! Gerade in der heutigen Zeit ist es besonders wichtig, die Menschlichkeit nicht zu vergessen. Ich hoffe, dass besonders viele Menschen gerade diesen Artikel lesen werden.
    Viele liebe Grüße, Hannah

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