Strange Memories IX

Nicht dass ihr denkt ich hätte dieses Projekt jetzt über die Aufregung vernachlässigt. Hier ein neuer Teil von Strange Memories! Hier geht es zum letzten Teil.

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Eine halbe Stunde später knotete sie ihre Haare zu einem Dutt und versteckte sie unter einer altmodischen Melone, nachdem sie ihren Trenchcoat zugeknöpft und die Sonnenbrille aufgesetzt hatte. London erstrahlte ausnahmsweise im Sonnenschein und Arina lächelte den Himmel an, als sie den Gehsteig ein Weilchen entlang balancierte und auf die nächste Bushaltestelle zusteuerte. Sie fühlte sich frei und leicht und … glücklich.

Sie stutzte.

Wann hatte sie sich zuletzt so gefühlt?

Das muss schon Ewigkeiten her sein … überlegte sie sich und beschloss, es einfach dabei zu belassen, als ihr Gefühl jetzt zu zerdenken.

Sie kaufte Haarfarbe und ein paar andere Artikel, wenn sie schon dabei war, und auf dem Rückweg noch ein Eis. Die Sonne im Gesicht genoss sie einfach kurz den Augenblick und die Zeit für sich, nachdem sie vom oberen Stockwerk des Doppeldeckerbusses endlich mal wieder ihre wunderschöne Heimatstadt bewundert hatte. London war eine wirklich wunderschöne Stadt.

So voller Gegensätze. Und unvergleichlicher Dynamik. Wer würde hier schon weg wollen?

Der Gedanke beschäftige sie. Was wäre, wenn sie allen Worten des Elbs Glauben schenken und sich einfach ins Abenteuer stürzen würde? Würde sie je wieder zurück kommen? In ihre Heimatstadt?

War London denn jetzt überhaupt noch ihre Heimat? Bei ihren Eltern hatte sie sich nie wirklich Zuhause gefühlt … ein merkwürdiges Stechen im Nacken nervte sie.

Sie drehte sich um.

Verfolgte sie jemand?

Seufzend vertrieb sie die düsteren Gedanken mit einem Kopfschütteln, als sie den Zugang zu ihrer Wohnung wieder erreichte und zielstrebig aufs Bad zusteuerte. Sie hatte einen hellen Braunton ausgesucht. Zwar kam keine der Packung an ihre eigentliche Farbe ran, aber Braun war immer noch besser als Weiß. Was mit ihren Augen anstellen sollte wusste sie allerdings nicht. Immerhin konnte sie behaupten sie würde neue Kontaktlinsen tragen …

Bei dem Gedanken fiel ihr erstmals auf, dass sie ihre Sehhilfen gar nicht trug. Sie blinzelte ein paar Mal zu oft. Ihr Bild blieb scharf.

„Wahnsinn!“, lachte sie und sah aus dem Fenster, zählte die Steine des gegenüberliegenden Hauses. Überhaupt kein Problem.

Mit einem Grinsen schüttelte sie den Kopf und ging ins Bad.

Während die Farbe einwirkte googelte sie verschiedene Begriffe wie Magie in Tibet, Oberster Zauberer, Magie-Kloster in Tibet. Sie kam auf kein wirklich brauchbares Ergebnis, stieß allerdings immer wieder auf der Begriff „Der Uralte“, aber als eigener Suchbegriff brachte ihr das auch nichts.

Als sie auf das Flugticket sah bemerkte sie, dass das Abflugdatum bereits in zwei Tagen war.

Bis dahin werde ich mich entscheiden müssen …

Sie blickte auf die Bücher in den verstaubten Regalen und musste darüber lächeln, dass sie die Buchtitel lesen konnte.

Das ist wirklich unglaublich. Absolut unglaublich … und trotzdem kommt es mir so normal vor. Warum? Weil ich es immer schon wusste? Eher nicht. Andererseits … hatte ich ja als Kind schon immer den Drang mich irgendwie hervorzuheben …

Als sie sich das Gespräch des letzten Abends wieder durch den Kopf gehen ließ, schmunzelte sie.

Ich hätte ihm einen Tee anbieten sollen, fiel ihr ein. Allerdings hätte diese Enthüllung auch ein wenig … spektakulärer sein können. Oder mysteriöser.

Seufzend stand sie auf und ging ins Bad um ihre Haare auszuwaschen.

Und als sie sich dann wieder im Spiegel betrachtete musste sie zugeben, nicht einmal überrascht zu sein.

Ihr Haar war nach wie vor strahlend weiß.

„Na toll. Und was mache ich jetzt?“, fragte Arina ihr Spiegelbild, das ihr jedoch genauso ratlos und beinahe schon gelangweilt entgegen sah.

Stell es dir vor.

„Hm?“, machte sie und drehte sich um. Ihr war als würde sie beobachtet. War diese Stimme gerade ihr eigene oder kramte da jemand in ihren Gedanken rum?

Jemand lachte.

Es klang wie sie selbst.

Stell es dir vor, hallte es abermals in ihrem Kopf und ein sehr flaues Gefühl machte sich in ihrem Magen breit. Nervös sah sie sich nochmal um, doch Arina war sich sehr sicher, allein zu sein. Nachdem sie einige Male durchgeatmet hatte, schloss sie die Lider und konzentrierte sich. Vor ihrem inneren Auge beschwor sie ein Bild ihres früheren Selbst herauf. Sie sah sich selbst lachend mit Beth in einem Café … mit ihren üblichen sandfarbenen Haaren und den schlichten braunen Augen. Widerwillen machte sich in ihr breit, doch sie schüttelte sich ab, konzentrierte sich auf das Bild und auf das Atmen und hoffte einfach nur, das es was brachte.

Als sie die Augen wieder öffnete erschrak sie beinahe beim Anblick ihrer braunen Haare.

Sie führte ihre Hände zu ihrem Gesicht, betastete es. Ihr Gesicht war immer noch schlank und auf einmal kam ihr eine Idee …

„Tatsächlich“, flüsterte sie freudig, als sie ihre leicht spitz zulaufenden Ohren betrachtete.

Mit dem Zeigefinger fuhr sie sanft die ungewohnte Kontur nach … auch wenn sie nicht so spitz waren wie Dariels Ohren, sah man die Veränderung deutlich.

Du hast dich längst entschieden, hallte es in ihrem Kopf und das Eigenleben ihrer Gedanken machte ihr plötzlich Angst.

Wie bitte?, fragte sie vorsichtshalber.

Doch die Stimme blieb still. Arina schüttelte den Kopf. Und band sich die Haare zurück, die wieder so völlig normal aussahen.

Jetzt musste sie sich beeilen.

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